Neeve

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Fr 07.10.2022 | 20:00 Uhr | Hamburg | Turmzimmer
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Die junge Stuttgarter Band NEEVE erlaubt ein Namedropping der besonderen Art. Und wir wissen ja alle, dass eine Bandbiografie wie diese nicht ohne auskommen darf. Steigen wir also gleich ein: Unter einem gewissen Blickwinkel sind NEEVE ein wenig wie The National, lange nicht so toxisch wie Oasis, ähnlich verstrickt wie die Kings of Leon und das Doppelte der Kinks. Bevor jetzt aber jemand das Referenzkarussell anwirft und sich ausmalt, wie zum Henker das denn klingen würde, hier ein paar aufklärende Worte: NEEVE sind mit ihrem charismatischen Indie- und Pop-Sound schon sehr eigenständig unterwegs.

Das Besondere an der 2018 gegründeten Band ist, dass sie wie all die zuvor genannten Acts, familiär eng verwachsen ist und gleich aus zwei Brüderpaaren besteht, die zudem als Cousins verbunden sind: Felix Seyboth (Gesang, Drums) und Axel Seyboth (Produktion, Piano, Gitarre) und Marius Spohrer (Gitarre) und Philipp Spohrer (Bass). „Wir haben das erst gar nicht als so besonders empfunden“, erzählt Felix, „wurden dann aber immer wieder drauf angesprochen. Dieses Familiäre sorgt einerseits dafür, dass du sehr ehrlich und direkt bist. Wir kennen uns fast das ganze Leben lang, sehen uns drei bis viermal die Woche, haben schon als Teenager Musik gemacht, sind mit ähnlichen Lieblingsbands aufgewachsen. Musik ist für uns alle etwas sehr Persönliches. Es geht um Emotionen, Wahrnehmungen, Gefühle und Reflexion – das schweißt uns extrem zusammen, macht es aber auch sehr sensibel. “Der Bandname NEEVE sei deshalb auch als „gemeinsamer, fiktiver Familienname“ zu verstehen, den man sich 2018 zulegte. Keine schlechte Wahl: Denn das Wort klingt rund, macht sich in der richtigen Typo gut auf Shirts und Jutebeuteln, und der Wortursprung geht auf das altfranzösische Wort „neveu“ – übersetzt: „Neffe“ – zurück.

Es gibt einen Song von NEEVE, der diese „sensiblen“ Momente zwischen zwei hochkreativen Brüdern sehr schön einfängt. „This got me Staying“ heißt er, wird die neue Single und ist quasi ein Zwiegespräch zwischen dem älteren Bruder (Felix) und dem jüngeren (Axel): „Just tellme about it / are you done with mocking me? / Ah, you trynna be rude / but it’s not about you / can’t you see?“, singt Felix darin am Anfang. Die Musik dazu klingt ein wenig, als hätte es ein britisches Indie-Königstreffen zwischen The 1975 und den Glass Animals gegeben – unter der künstlerischen Leitung von Robert Smith. Felix ist der ältere der beiden Brüder, die Stimme, der Texter und ein wenig auch das Gesicht der Band, Axel wiederum produziert die Musik von NEEVE und hat sich inzwischen Skills draufgeschafft, die jedes Demo schon so wuchtig klingen lassen, wie es manchmal nicht mal teuer einzukaufende Produzent:innen hinkriegen. Da kommt es schon mal zu kreativen Reibungen. Felix erklärt: „Ich singe die erste Strophe aus meiner, und die zweite aus seiner Sicht. Mir ging es um diese Momente, in denen ich merke: ‚Ich erkenne mich in einem Bruder wieder‘. Wir sind beide sehr leidenschaftlich, wenn es um unsere Musik geht und konkurrieren manchmal eher unfreiwillig. Ich habe mich gefragt, warum das eigentlich so ist und dann gemerkt, dass Axel eine ganz ähnliche Phase hat, wie ich in seinem Alter. Das brachte mich dazu, auch das eigene Verhalten zu reflektieren.“ „This got me Staying“ funktioniert dabei aber auch als klassischer Love-Song. „Mich reizt am Songwriting, doppeldeutig und anschlussfähig zu bleiben. Ich verarbeite schon sehr persönliche Dinge, versuche aber immer, sie so zu texten, dass sich andere mit ihren eigenen Erfahrungen einfühlen können.“

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